Wenn Sie zwölf Teilnehmer auf zwei Gruppen aufteilen, können zwei Diskussionen gleichzeitig laufen. Mehr Teilnehmer kommen zu Wort. Zwei Themen können vorankommen statt nur eins.
Mündliche Diskussion funktioniert in kleinen Gruppen gut. Warum also nicht den Workshop so lange weiter aufteilen, bis jede Breakout-Gruppe klein genug ist, damit das Nacheinanderreden problemlos funktioniert?
Die Aufteilung in Breakout-Gruppen ermöglicht zweifellos mehr Gespräche mit mehr Redezeit pro Teilnehmer. Aber sie opfert dafür den gemeinsamen Denkprozess, den die Gruppe für ein tieferes Verständnis braucht.
Breakout-Gruppen trennen die Perspektiven. Wer an einer Breakout-Diskussion teilnimmt, steht in dieser Zeit nur diesem einen Thema zur Verfügung. Je stärker der Workshop Teilnehmer und Themen aufteilt, desto eher fehlen Expertise und Erkenntnisse an anderer Stelle.
Zwischen Kleingruppen zu wechseln, löst das Problem nicht. Zunächst können Teilnehmer nicht wissen, wann und wo ihre Perspektive gebraucht wird. Wer dann in eine andere Gruppe wechselt, hat die Überlegungen verpasst, die diese Gruppe an ihren aktuellen Punkt gebracht haben. Die Gruppe muss womöglich rekapitulieren; die hinzugekommene Person wiederholt womöglich bereits Gesagtes. Der Preis des Gruppenwechsels ist hoch. Dabei löst er den Engpass keineswegs auf, sondern verschiebt ihn nur: Die Person ist nun in einer anderen Diskussion gebunden und fehlt dadurch wahrscheinlich anderswo.
Moderation lässt sich nicht aufteilen. Auch Sie können immer nur in einer Breakout-Gruppe sein. Wenn andere Diskussionen stocken, abschweifen oder erlahmen, können Sie nicht eingreifen.
Meist füllt jemand diese Lücke. Vielleicht die ranghöchste Person in der Gruppe. Vielleicht die selbstsicherste oder einfach die lauteste. Ein Teilnehmer übernimmt die Gesprächsführung. Hierarchie- und Dominanzmuster, die der Workshop eigentlich einhegen sollte, kehren zurück.
Eine verlustfreie Rückmeldung ins Plenum ist nicht möglich. Jede Breakout-Gruppe braucht Zeit, um vorzubereiten, was sie berichten will. Diese Zeit fehlt für die Diskussion. Anschließend werden die Berichte nacheinander im Plenum vorgetragen. Auch das kostet Zeit. Zwei Breakout-Gruppen brauchen zwei Berichte, drei brauchen drei. Je mehr Diskussionen parallel geführt werden, desto mehr Workshopzeit wird anschließend dafür benötigt, ihre Ergebnisse wieder zusammenzuführen.
Breakout-Gruppen können trotz dieser Nachteile sinnvoll sein, wenn sie als eigenständige Arbeitsgruppen gedacht sind, denen die Erarbeitung bestimmter Ergebnisse übertragen wird. Dann stellt sich eher die Frage, ob diese Gruppen überhaupt gleichzeitig im Workshop arbeiten müssen. Wenn Arbeitsgruppen zeitversetzt zusammenkommen, können Teilnehmer bei Bedarf auch in mehreren Gruppen mitwirken.
Problematisch wird die Aufteilung, wenn mehrere Breakout-Gruppen dazu dienen sollen, ein vertieftes Verständnis mehrerer Themen zu entwickeln, mit dem die ganze Gruppe anschließend weiterarbeitet. Dann ist der Informationsverlust zwischen Breakout-Gruppen und Plenum das Kernproblem. Schlussfolgerungen lassen sich einfach zusammenfassen. Ein großer Teil der Argumente, Abwägungen, Einwände und Zusammenhänge, die zu ihnen geführt haben, bleibt dabei aber zwangsläufig zurück. Das Plenum kann so nicht das tiefere Verständnis entwickeln, das es für die weitere Arbeit im Workshop braucht.
Je ausführlicher die Rückmeldung, desto mehr Zeit geht wieder verloren. Je knapper sie ausfällt, desto weniger gemeinsames Verständnis entsteht. Wenn das Plenum die Berichte anschließend diskutiert, um die zugrunde liegenden Überlegungen nachzuvollziehen, führt das die Vorstellung, durch Aufteilung Zeit zu gewinnen, vollends ad absurdum.